22. Mai 2020 | Weingarten feiert den Blutfreitag unter Corona-Bedingungen

Weingarten. Blutfreitag morgens um 7 Uhr. Traditionell eröffnete am 22. Mai festliches Glockengeläut von den Basilikatürmen das Weingartner Hochfest. Wo sich in anderen Jahren Menschenmassen drängten, standen nur ein Bläserquintett und eine Handvoll Pressevertreter auf dem neu gepflasterten Vorplatz des barocken Gotteshauses. Pfarrer Nicki Schaepen aus Bad Schussenried übergab die Reliquie, in der sich nach der Überlieferung Erde mit dem Blut Jesu Christi befindet, an Dekan Ekkehard Schmid hoch zu Ross. Dieselbe Zeremonie wie immer - und doch ganz anders.

Blutritt, Weingarten (22.05.2020)

Sich der Herausforderung dieses ganz anderen Jahres zu stellen und nicht ins Hamsterrad zurückzufallen, darum warb der Rottenburger Weihbischof Matthäus Karrer bereits in seiner Festpredigt am Abend von Christi Himmelfahrt. Die Umweltproblematik und die Brüche zwischen Arm und Reich hätten schon vor Corona eine kranke Welt gezeigt. Karrer erinnerte die Christinnen und Christen an ihren biblischen Auftrag, alles zu tun, was das Leben fördert. Hoffnungszeichen seien für ihn etwa Projekte der Nachbarschaftshilfe und die Seelsorge an Kranken und Sterbenden, die auch die letzten Wochen aufrechterhalten wurde.

Äußerliche Traditionen und Riten dürften in der Kirche nicht wichtiger sein als mutmachende und zukunftsweisende Zeichen der Veränderung, betonte der Weihbischof. Da nahm er auch den Blutfreitag nicht aus. "Ich möchte alle Verantwortlichen hier in Weingarten einladen, die Wallfahrt weiterzuentwickeln zu einer gemeinsamen Wallfahrt von Frauen und Männern, Kindern und Jugendlichen, Musikantinnen und Musikanten, Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt", griff Karrer die jüngsten Diskussionen auf.